Die DWS DWS hat sich mit der Frankfurter Staatsanwaltschaft auf ein Bußgeld von 25 Mio. Euro geeinigt. Damit wird ein Verfahren beigelegt, das sich auf irreführende Angaben zu ESG-Anlagen bezog. Die Staatsanwaltschaft hatte im Mai 2022 unter Beteiligung der BaFin in einem seit Mitte Januar 2022 geführten Verfahren wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetrugs (§ 264a StGB) ermittelt, es folgten Razzien bei der DWS. Die Ermittlungen wurden nun eingestellt – ein Schuldeingeständnis ist damit nicht verbunden.
Greenhushing folgt Greenwashing
„Der Fall DWS wird für die Exzesse, die die ESG-Branche vor einigen Jahren erlebte, sinnbildlich bleiben“, sagt Hortense Bioy, Head of Sustainable Investing Research bei Morningstar Sustainalytics. „Zwischen 2020 und 2022 herrschte eine noch nie dagewesene Begeisterung für ESG, und praktisch jeder Vermögensverwalter war bestrebt, seine ESG-Qualitäten zu präsentieren. Seitdem hat der Markt eine völlige Kehrtwende vollzogen. Greenwashing weicht einem Greenhushing - einem Trend, bei dem ESG- und Nachhaltigkeitsinitiativen zunehmend heruntergespielt oder aus dem Rampenlicht herausgehalten werden.“
Zwar werde es auch in Zukunft Fälle von Greenwashing geben, doch diese dürften wahrscheinlich begrenzt und weitgehend unbeabsichtigt sein. Darüber hinaus sorgen Anti-Greenwashing-Vorschriften - wie die ESMA-Richtlinien zur Fondsbezeichnung in der EU und die britische SDR - für ein größeres Vertrauen der Anleger in die Produkte, in die sie investieren, so Bioy.
DWS räumte „überschwängliches Marketing“ ein
„Wir begrüßen es, dass die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen die DWS nunmehr abgeschlossen sind“, so die Asset-Management-Tochter der Deutschen Bank in einer Pressemitteilung. „Dass unser Marketing in der Vergangenheit teilweise überschwänglich war, haben wir in den vergangenen Jahren bereits öffentlich gesagt. Wir haben die internen Dokumentations- und Kontrollprozesse bereits verbessert und werden auch weiterhin daran arbeiten, hier weitere Fortschritte zu machen.“
Zwar habe man schon Rückstellungen gebildet, so dass das Bußgeld keine Auswirkungen auf das Finanzergebnis im ersten Quartal 2025 haben werde. Die Aktie des MDAX-Konzerns gab im schwachen Gesamtmarkt jedoch nach.
Die aktuelle Einigung folgt auf ein separates Verfahren in den USA: Dort zahlte die DWS im September 2023 insgesamt 25 Mio. Dollar an die Börsenaufsicht SEC, davon 19 Mio. Dollar wegen irreführender ESG-Darstellungen. Die SEC warf dem Unternehmen vor, zwischen 2018 und 2021 seine ESG-Kompetenz und -Kontrollen überzeichnet dargestellt zu haben. Der Fall zeigte damals, wie eng internationale Behörden ESG-Angaben überwachten.
Die DWS und das globale Vorgehen gegen Greenwashing
Der Begriff Greenwashing bezeichnet die Praxis, Finanzprodukte nachhaltiger darzustellen, als sie tatsächlich sind. Im August 2021 berichteten Medien, dass die US-Börsenaufsicht SEC gegen die DWS wegen des Verdachts auf Greenwashing ermittle. Die Untersuchungen wurden durch Aussagen der ehemaligen Nachhaltigkeitschefin der DWS, Desiree Fixler, ausgelöst, die dem Unternehmen vorwarf, den Umfang nachhaltiger Anlagen überhöht ausgewiesen zu haben. Diese Vorwürfe führten zu Ermittlungen in den USA und Deutschland sowie zu einer Razzia in den Räumlichkeiten der DWS im Mai 2022. In der Folge trat der damalige CEO Asoka Wöhrmann zurück und wurde durch Stefan Hoops ersetzt.
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